Ein Interview aus dem Tannenhof Journal 1999

Fragen an Peter Trefzger, (Diplom-Sozialpädagoge FH), Mitarbeiter des Integrationsdienstes im Tannenhof Ulm und in dieser Funktion Mitorganisator des Internationalen Integrativen Fußballturniers (IIFT)

 Was ist das IIFT?

Das IIFT ist ein Fußballturnier, bei dem behinderte und nichtbehinderte Spieler in gemeinsamen Mannschaften spielen. Das ist zunächst das Besondere. Ansonsten ist das IIFT ein normales Fußballturnier mit abendlichem Rahmenprogramm. Fußball bietet aufgrund seines Charakters fast optimale Möglichkeiten für das gemeinsame Tun von behinderten und nichtbehinderten Menschen. Man gewinnt oder verliert gemeinsam; Kommunikation entsteht. Erfahrungsgemäß werden Vorurteile beim gemeinsamen Spiel im Mannschaftssport extrem schnell abgebaut, wenn das Leistungsdenken nicht oberste Priorität genießt.
Ich verstehe das Turnier auch als Öffentlichkeitsarbeit für das selbstverständliche Miteinander behinderter und nichtbehinderter Menschen.

 Seit wann gibt es das IIFT?

Seit 1993. Die Idee zum Turnier hatte Richard Windirsch, 1993 beim 1. Turnier noch ehrenamtlicher Mitarbeiter im Club Körperbehinderter und ihre Freunde. Der Club hat sich leider als Turnierveranstalter zurückgezogen. Windirsch ist als Mitveranstalter nach studienbedingten Kurzeinsätzen in den Jahren 1995 und 1996 wieder voll dabei.

 Woher kommen die Mannschaften?

Die Mannschaften kommen aus München, Stuttgart, Nürnberg, Kaiserslautern, Kempten, Thüringen, Ulm und Österreich. Es haben aber auch schon Mannschaften aus Turin und der Schweiz sowie aus Berlin teilgenommen. Bezüglich der Anfragen ist das Turnier ein Selbstläufer. Die Nachfragen von überall her übersteigen langsam unsere Kapazitäten.

Sind alle Mannschaften Teams von Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen?

Nein, das würde unserem Konzept total widersprechen. Natürlich sind auch Mannschaften aus Einrichtungen wie z. B. der Ulmer Lebenshilfe, dabei. Jede Gruppierung, die Interesse an dieser Art der Begegnung hat, ist herzlich willkommen. Regelmäßig dabei ist z. B. das Sozial- und Jugendamt Ulm, Freizeitmannschaften von behinderten und nicht behinderten Spielern, Schulklassen, Kirchengemeinden usw. Im Jahr  2000 hat zum ersten Mal ein so genanntes "Sponsoren-Team" der Fa. Hilscher Orthopädietechnik teilgenommen. Das sehe ich als optimales Sponsoring an: zum einen das finanzielle Engagement bei unserem Turnier, zum anderen drückt die Teilnahme auch ein starkes inhaltliches Interesse an der Idee aus.

 Wie erklären Sie sich die große Resonanz?

Die Teilnehmer sind mit der Organisation sehr zufrieden. Sport, Spaß und Kultur sind in einem ausgewogenen Verhältnis. Das Rahmenprogramm wie z. B. die Disco, Liveübertragungen von WM / EM- Fußballspielen auf einer Großleinwand, die Live-Bands oder Liedermacher sind von guter Qualität. Dies alles kommt in seiner Gesamtkonstellation gut an und hat sich in einer bestimmten Szene herumgesprochen. Das wichtigste jedoch ist, daß man vielfältig bleibt und ständig versucht, positive Ideen und Anregungen umzusetzen.

 Wie wird das IIFT finanziert?

Der finanzielle Umfang beträgt ca. 15.000 €. Ein Minus haben wir jedoch noch nie produziert. Meistens ist die Veranstaltung kostenneutral. Ein größerer Betrag der Unkosten wird durch Sponsoring oder Werbung abgedeckt. Wir haben die Werbemöglichkeiten für verschiedene Firmen sehr flexibel gestaltet. Am Anfang war es sehr schwierig, verschiedene Firmen für unsere Idee zu begeistern. Inzwischen stehen die Kontakte und die Sponsoren oder auch Sportvereine aus dem Bezirk Donau / Iller unterstützen uns gerne. Auch die positive Presseresonanz hat natürlich ihren Teil zu der stabilen Finanzierung beigetragen.

 Ein Wunsch bezüglich des IIFT zum Abschluss:

Dass sich immer unterschiedliche Mannschaften zu unserem Turnier anmelden und dadurch die Idee in immer weitere Teile unserer Gesellschaft getragen wird.

Sport und Spaß gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen –

ganz normal, oder?"